Am 30. Oktober 2025 findet am Ratsgymnasium der Stadt Minden ein interdisziplinärer Kongress zur Sprachbildung im Fachunterricht statt. Unter dem Motto „Sprachbildung im Fachunterricht – Grundlagen und Perspektiven für eine neue Lernkultur“ diskutieren renommierte Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler und Expertinnen bzw. Experten aus Schule und Hochschule aktuelle Konzepte einer durchgängigen Sprachbildung.
Sprachbildung als gemeinsame Aufgabe aller Fächer
Sprachbildung ist längst nicht mehr allein Aufgabe des Deutsch- oder Fremdsprachenunterrichts. Wissenschaftliche Studien und die IQB-Bildungstrends zeigen, dass viele Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I nicht über ausreichende sprachliche Kompetenzen verfügen, um fachliche Anforderungen souverän zu bewältigen – auch an Gymnasien.
Sprachliche Fähigkeiten sind jedoch die Schlüsselvoraussetzung für fachliches Lernen in allen Bereichen: von den Naturwissenschaften über die Geisteswissenschaften bis hin zu Kunst, Musik und Sport.
Sprachbildung umfasst pädagogisch-didaktische Maßnahmen zur Förderung sprachlicher Kompetenzen – in Bildungs- wie in Fachsprache – mit dem Ziel, die Teilhabe an schulischem Lernen und gesellschaftlicher Kommunikation zu sichern. Sie unterscheidet sich von Sprachförderung durch ihre integrative und kontinuierliche Ausrichtung. Die Kultusministerkonferenz fordert seit 2013 eine „durchgängige Sprachbildung“ über alle Fächer hinweg.
Von der Netzwerkarbeit zum Fachkongress
Der Kongress geht hervor aus der erfolgreichen Arbeit von vier traditionsreichen Gymnasien im Netzwerk „Zukunftsschulen NRW“ – dem Ratsgymnasium Bielefeld, dem Leopoldinum Detmold, dem Ratsgymnasium Minden und dem Gymnasium Theodorianum Paderborn. Koordiniert wird die Veranstaltung vom Ratsgymnasium der Stadt Minden und der Humboldt-Universität zu Berlin, federführend durch Studiendirektor Dr. Hans-Joachim Häger und Prof. Dr. Stefan Kipf.
Die beteiligten Schulen haben in einer zweijährigen Projektphase intensiv daran gearbeitet, den Stellenwert des Doppelsprachenprofils „Latein ab Klasse 5“ (Englisch/Latein) im Rahmen der Rückkehr zu G9 neu zu definieren. Ziel war es, die Attraktivität des Profils zu sichern, Maßnahmen individueller Förderung zu entwickeln und Synergieeffekte zwischen den beiden oben angezeigten Schulsprachen und Deutsch zu identifizieren.
Die enge wissenschaftliche Begleitung durch die Humboldt-Universität zu Berlin ermöglichte es, die Erkenntnisse aus dieser Netzwerkarbeit in größere bildungspolitische und fachdidaktische Zusammenhänge einzuordnen. Mit dem anstehenden Kongress wird dieser Dialog auf eine neue Ebene gehoben.
Der Kongress am 30. Oktober 2025 markiert den Auftakt zu einer weiteren zweijährigen Projektphase, in der die beteiligten Schulen die entwickelten Konzepte vertiefen und verstärkt in den Fachunterricht integrieren. Ziel ist es, Sprachbildung nachhaltig in den Curricula aller Fächer an den vier Netzwerkschulen zu verankern und Schülerinnen und Schüler individuell in ihren sprachlichen Lernbiographien zu unterstützen.
Hochkarätige Referentinnen und Referenten
Das Programm des Kongresses am 30.10.2025 umfasst Vorträge und Diskussionsforen mit führenden Expertinnen und Experten aus der Sprachbildungsforschung. Unter den Vortragenden sind u. a. Prof. Dr. Saskia Handro (Universität Münster), Prof. Dr. Beate Lütke (HU Berlin) und Prof. Dr. Diana Maak (FU Berlin).
Die Referentinnen und Referenten repräsentieren sämtliche schulischen Fächer und Fächergruppen – von den Sprachfächern über Mathematik und Naturwissenschaften bis hin zu Kunst, Musik und Sport. Damit wird zugleich das zentrale Anliegen des Kongresses unterstrichen: Sprachbildung als Querschnittsaufgabe aller Fächer sichtbar zu machen und neue Perspektiven für eine lernförderliche Schulkultur zu eröffnen.
Aus den teilnehmenden Schulen nehmen die jeweiligen Schulleitungen, die Koordinierenden der einzelnen Stufen sowie zahlreiche Fachgruppenvorsitzende teil.
Eröffnet wird der Kongress am 30.10.2025 von der Regierungspräsidentin im Regierungsbezirk Detmold, Frau Anna Katharina Bölling.
Zitate
Prof. Dr. Stefan Kipf betont: „Mit diesem Kongress wollen wir zeigen, dass Sprachbildung keine Zusatzaufgabe, sondern die Grundlage schulischen Lernens und damit Voraussetzung für Bildungsgerechtigkeit ist.“
Studiendirektor Dr. Hans-Joachim Häger ergänzt zustimmend: „Die professionelle und stets motivierte Zusammenarbeit der vier Netzwerkschulen mit der Humboldt-Universität zu Berlin verdeutlicht, wie groß der Gewinn ist, wenn schulische Praxis und wissenschaftliche Expertise systematisch zusammenwirken. Der Kongress soll diesen Austausch verstetigen und sowohl regional als auch überregional neue Impulse setzen.“
Veranstalter
Ausgerichtet wird der Kongress unter ausdrücklicher Zustimmung der Bezirksregierung Detmold von den vier im Netzwerk befindlichen Gymnasien: dem Ratsgymnasium Bielefeld, dem Leopoldinum Detmold, dem Ratsgymnasium Minden und dem Gymnasium Theodorianum Paderborn. Die Kongressplanung und -durchführung erfolgt in enger Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin, hier in besonderem Maße mit Prof. Dr. Stefan Kipf als ausgewiesenem Sprachbildungsforscher. Von schulischer Seite aus liegt die Organisationsleitung des Kongresses in den Händen von Dr. Hans-Joachim Häger.
