Kulturscouts OWL

Seit einigen Jahren führten einzelne Klassen ...

Seit einigen Jahren führten einzelne Klassen der Jahrgangsstufe 5 und 6 Ausflüge im Rahmen des Projekts KulturScouts OWL durch. Das Projekt bietet für Schulen die Möglichkeit, außerschulisches Lernen zu realisieren, wodurch häufig Inhalte greifbarer, alltäglicher und damit zugänglicher gemacht werden können.

Im Laufe dieses Schuljahres ist es gelungen, das Projekt nicht nur auf eine einzelne Klasse, sondern auf einen gesamten Jahrgang zu übertragen. Die Jahrgangsstufe 8 erschien dabei als günstigste Wahl, da das Kennenlernen nach der Neuzusammensetzung stattgefunden hat, die vorbereitende Orientierung auf die Oberstufe noch nicht gefordert ist und sich die Schülerinnen und Schüler entsprechend auf eine Profilbildung nach ihren Interessen konzentrieren können.

In diesem Sinne wurden auch die möglichen KulturScouts-Veranstaltungen ausgesucht, so dass unter anderem Bereiche, die bisher nicht über AGs, Neigungs- und Profilfächer oder Veranstaltungen (z.B. SixPack-Abo) abgedeckt waren, gewählt werden konnten.

Alle Schülerinnen und Schüler der achten Klassen bestimmten mit einer Erst- und Zweitwahl ihre bevorzugte Veranstaltung aus folgendem Angebot

- „Regenwald im Schulheft“ (namu Bielefeld),
- „Alla Turca – Spuren des Osmanischen Reiches in Lemgo“ (Museum Schloss Brake),
- „Mumien in Peru“ (Landesmuseum Detmold) oder
- „Von der Alchemie zur Chemie: Goldmachen (Museum Schloss Brake).

Am Mittwoch, 11.03.2015, fuhren dann vier, nach Interesse zusammengestellte Gruppen in Begleitung der Klassen- bzw. Fachlehrer der Jahrgangsstufe in diese Kulturinstitutionen, um eine Führung und einen anschließenden praktischen Teil gemeinsam zu erleben und zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler in Bielefeld schöpften selbst Papier, im Schloss Brake stellten sie selbst Marzipan oder „Gold“ her und in Detmold gestalteten sie Keramikbecher im Stil der südamerikanischen Hochkulturen.

Die Veranstaltungen waren von den Museen verschieden gestaltetet und wurden entsprechend unterschiedlich wahr- und aufgenommen:

Ksenia und Laura berichten vom „Regenwald“ in Bielefeld:
„Es gab sechs verschiedene Stationen, die wir bearbeiten sollten. Bei Station eins mussten wir an sechs verschiedenen Dosen riechen und diese dann Gewürzen zuordnen. Bei Station zwei sollten wir verschiedenen Tieren ihren Lebensraum zuordnen. Bei Station drei mussten wir tropische Früchte Bildern zuordnen. Station vier informierte uns über den Jaguar und wir sollten Fragen dazu beantworten. Bei Station 5 sollten wir testen, ob das holzfrei gekennzeichnete Papier auch wirklich holzfrei ist. (…) Station sechs war ein Film über den Orang-Utan, dessen Lebensraum und somit auch, dass er durch den Palmöl-Anbau stark gefährdet ist. (…) Insgesamt waren die KulturScouts eine gute Idee und es hat uns auch ganz gut gefallen, jedoch hätten die Stationen etwas anspruchsvoller gestaltet werden können und die eigentliche Frage „Wie kommt der Regenwald ins Schulheft?“ wurde nicht geklärt. Uns hätte noch interessiert, in welchen Ländern der Regenwald abgeholzt wird. Wie groß die Ausmaße denn sind? Welche Folgen das hat?“

Henry und Tim schreiben zur Veranstaltung „Alla Turca“ im Schloss Brake:
„Erst erzählte uns die Leiterin etwas über den Inhaber der Burg, welcher sehr gerne Dromedare mochte. In dem Schloss hatten sie insgesamt drei Dromedare, die mehrere tausend Kilometer nach Deutschland geritten wurden. Die Dame erzählte uns, dass die Bewohner in Lemgo höllische Angst vor den Dromedaren hatten, weil sie in der Umgebung Lemgos nicht vorkamen und es etwas komplett Neues für die Bürger von Lemgo war. (…) Unter einem gewissen Zeitdruck stellten wir eigenes Marzipan in Kugeln her. Erst haben wir die Mandeln geschält, dann gemahlen, danach das Gemahlene mit Bittermandel-Öl und ein bisschen Rosenwasser beträufelt. Danach haben wir das grobe, gemahlene Mandelpulver mit Zucker in einem kleinen Topf langsam erhitzt. Am Ende konnte sich jeder eine kleine Kugel Marzipan mit nach Hause nehmen. (…) Wir fanden den Ausflug nicht so berauschend, denn die Leiterin hat uns mehr von der Zeit und der Burg erzählt, als über das eigentliche Thema „Osmanisches Reich“ - darüber haben wir eher wenig gelernt.“

Über das Programm des Landesmuseums Detmold „Mumien in Peru“ berichtet Paula:
„Wir sahen außerdem viele Schmuckstücke, wie solche überdimensionalen Ohrpflöcke, die nur Jungen und Männern vorbehalten waren. Ab dem zwölften Lebensjahr wurden diese Ohrpflöcke eingesetzt und immer wieder vergrößert. Das Ohrläppchen dehnte sich natürlich mit der Zeit mit. (…) Bei einem anderen Ur-Volk wurden die Toten in einer gekrümmt sitzenden Position mit mehreren Schichten Stoff umnäht. Wir haben uns dann später noch drei Mumien angeschaut: einen Mann, eine Frau und ein Kind. Bei allen dreien hat man noch Zähne, Haare und Fingernägel entdeckt. Das war nicht lecker, denn auch die Haut, zusammengezogen und geschrumpelt, war zu sehen.

Insgesamt war es sehr informativ aber auch sehr kurz. Ich würde es trotzdem nochmal machen.“

Vom „Goldmachen“ im Schloss Brake erzählt Florian:
„Wir sahen uns zunächst die Pokale und Trophäen in Goldlegierung aus dem Mittelalter in einem großen Raum an. Danach gingen wir weiter zu einem großen Festmahlstisch, ebenfalls aus dem Mittelalter, unterhielten uns über die damaligen Alchimisten und wendeten einen Zauberspruch der dazugehörigen Epoche an, um Kupfermünzen in Goldmünzen zu verwandeln. (…) Im Anschluss an den Kerker machten wir uns wieder auf den Weg zu unserem Zaubertisch und sahen, dass die verschiedenen Bestandteile nicht miteinander reagiert hatten. (…) Als wir im modernen Labor ankamen, legierten wir eine Kupfermünze mich verschiedensten Chemikalien in Gold. Danach neigte sich unser spannender Ausflug auch schon dem Ende zu. (…)“

Neben den zitierten Berichten konnten sich die Schülerinnen und Schüler auch mit einer Foto-Collage oder einer Mindmap mit dem Ausflug auseinandersetzen. Diese Nachbearbeitung ist nach den Osterferien im Jahrgangsflur ausgestellt, so dass auch Einblicke in die anderen Veranstaltungen gegeben sind.

Eine inhaltlich optimierte Fortführung dieser Jahrgangsveranstaltung sollte sicherlich ins Auge gefasst werden …

Tobias Oder

kulturscouts.jpg