Alles nur Geschichte(n)? – Leben im doppelten Deutschland

Seminar und Zeitzeugengespräche in den 9. Klassen

Am 16. und 17.6. waren unter dem oben genannten Titel zwei Seminarleitungen von der Deutschen Gesellschaft e.V. und zwei Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR am Ratsgymnasium zu Besuch, um den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen diesen Abschnitt der deutschen Geschichte in einem Seminar mit anschließendem Zeitzeugengespräch näher zu bringen. Nach einem zweistündigen Seminar zur DDR-Geschichte bei Frau Lisa Beisel bzw. Herrn Dr. Niels Dehmel waren im Anschluss Schülerinnen und Schüler sowie auch die beteiligten Geschichtskolleginnen sehr beeindruckt von der Begegnung mit den Zeitzeugen Mike Mutterlose bzw. Thomas Raufeisen, die jeweils von ihrer Verfolgungsgeschichte und ihrem langen Versuch, aus der ehemaligen DDR zu fliehen, einschließlich ihrer Inhaftierung in DDR-Gefängnissen berichteten.

Beispielhaft beschreiben Anna Mistary und Carla Plenge ihre Eindrücke von der Veranstaltung in der 9b:

Wir hatten heute den Gast Dr. Niels Dehmel von der Deutschen Gesellschaft e.V. zu Besuch. Er hat über die Jahre der Teilung Deutschlands und Berlins gesprochen, sowie das Leben in beiden Staaten. Unser Schwerpunkt lag hier bei der DDR.

Anfangs beschäftigten wir uns mit dem Thema „Typisch DDR“: Wir haben gesammelt und diskutiert und hinterher weitere Informationen bekommen. Es ging zum Beispiel um die politische Lage in der DDR, das Schulsystem, die Grenzen und Wahlen. Auch die Militarisierung und die Stasi (Staatssicherheit) haben eine Rolle gespielt sowie die Spannungen zwischen Ost- und Westdeutschland. Wir sind ebenfalls auf die Jugend eingegangen, die FDJ (Freie Deutsche Jugend) und die Frage, inwiefern die sowjetischen Ideale eine Rolle in der DDR spielten.

In den Gesprächen haben wir eine Menge erfahren und konnten viele Fragen stellen. Anschließend hatten wir außerdem die Möglichkeit, mit dem Zeitzeugen Thomas Raufeisen zu sprechen, der von seinem Leben in den beiden deutschen Staaten erzählt hat: Thomas Raufeisen erzählte, wie er als Jugendlicher unfreiwillig aus Hannover, wo er aufgewachsen war, in die DDR gebracht wurde und gezwungen war, dort zu leben. Sein Vater war nämlich ein Wirtschaftsspion für die DDR, der in die DDR floh, weil er sonst enttarnt worden wäre. Thomas Raufeisen beschloss jedoch, wieder in den Westen zu gehen, was aber nicht so einfach war. Nachdem er ein Jahr lang immer wieder verhört wurde und schließlich zugab, in den Westen zurückzuwollen, wurde er angeklagt und musste für drei Jahre ins Gefängnis. Er erzählte viel von den Gegensätzen zwischen der DDR und dem Westen, wie zum Beispiel in der Schule oder bei der Ausstattung der Wohnungen. Er veranschaulichte seine Erzählungen mithilfe einer Präsentation und brachte einen Gegenstand aus dem damaligen Sportunterricht mit: Eine Handgranate, mit der im Sportunterricht das Werfen geübt wurde. Zwischendurch las er auch Passagen aus seinem Buch vor, in dem man seine Geschichte auch nachlesen kann: „Ich wurde in die DDR entführt. Von meinem Vater. Er war Spion: Eine deutsche Tragödie.“

Unsere gesamte Klasse war sehr beeindruckt und findet, dass diese Veranstaltung in der nächsten 9. Jahrgangsstufe wiederholt werden sollte.

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