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Vortrag von Marianne Birthler

Vergangenheit für die Zukunft – Die Aufarbeitung der SED-Diktatur mit Hilfe der Stasi-Akten

Die Aula des Ratsgymnasiums in Minden ist randvoll gefüllt, denn alle wollen dem Vortrag von Marianne Birthler folgen, um entweder einen Einblick in das Leben in der DDR zu bekommen, oder um als ehemaliger DDR-Bürger die eigenen Erfahrungen mit denen Birthlers abzugleichen.

Auch wir Schüler kennen spätestens seit dem diesjährigen 20-ten Gedenktag das Datum 9. November 1989. Denn dies ist der Tag, an dem die Mauer fiel. Doch kontrovers zu der Vermutung, dass dieses Datum wohl das wichtigste für einen ehemaligen DDR-Bürger ist, gesteht die Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit (Stasi), dass sie persönlich dem 9. Oktober 1989 viel mehr Bedeutung zugesteht: Weil an diesem Montag „auf Messers Schneide“ gegen die Demonstranten in Leipzig keine Gewalt eingesetzt wurde, war ein unumkehrbarer Prozess in Gang gesetzt, für die Beteiligten verbunden mit einem Hochgefühl von Befreiung und Zukunftshoffnung.

 

Obwohl das Publikum sehr gemischt war, kannte keiner die richtige Antwort auf Birthlers Frage, wie viel Prozent der DDR-Bürger damalige Stasi-Mitarbeiter waren. Zwischen Einschätzungen von 10-70 % wurde alles gesagt, dennoch muss Birthler letzten Endes mit der richtigen Antwort nachhelfen, denn es waren lediglich 2% der Bevölkerung, die für die Stasi gearbeitet haben. Diese Überschätzung schürte schon zu DDR-Zeiten ein Klima ständigen Misstrauens gegen Jedermann.

So soll die Arbeit der Behörde nun auch dazu dienen, dass viele Menschen einen Einblick bekommen, wie das System funktionierte und inwiefern sie bespitzelt wurden. Außerdem soll dadurch jeder daran erinnert werden, zu welchem Ausmaße es damals kam, um damit eine Wiederholung dessen zu verhindern.

„Demokratie und Freiheit sind sehr empfindliche Güter.“, so Birthler. Sie hält diesen Vortrag um zu zeigen, wozu Diktatur führt: Sie „verführt, verbiegt und macht stumm.“

Sie selbst zeigt, dass es sich lohnt, gegen eine solche Staatsform zu kämpfen, wie z.B. in ihrem Fall, durch die Mitarbeit in einer oppositionellen Gruppe, die zu der Zeit ebenfalls verboten waren.

Doch sie und viele andere Menschen auch, widersetzten sich diesem „Klima der Angst“, und trafen sich unter ständiger Beobachtung durch die Stasi in Privatwohnungen oder Kirchenräumen.

 

Zu Birthlers Bedauern werden nie alle Unterlagen wieder aufzuarbeiten bzw., aufzufinden sein. Vieles wurde vernichtet, 15.500 Säcke mit zerrissenen Stasi-Unterlagen wurden gefunden. Der Inhalt von 400 Säcken wurde davon bislang rekonstruiert, doch das Aufarbeiten und Zusammenfügen der Papiere der anderen 15.100 Säcke, werde laut Birthler ca. 300-400 Jahre Zeit in Anspruch nehmen. Doch auch dafür wird bereits an einer Lösung gearbeitet. Speziell dafür entwickelte Computerprogramme sollen dabei helfen, die Papierschnipsel schneller zu vollständigen Unterlagen wieder zusammen zufügen.

 

Dass Marianne Birthler mit ihrem Vortrag nicht auf taube Ohren, sondern auf großes Interesse stieß, bewiesen die vielen Fragen und Statements von Jung und Alt.

 

Von: Sina Gieseking