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Edinburgh 2008

I love Edinburgh !

Ein Blatt Papier mit dieser Aussage, geschrieben in wunderschönen Buchstaben und verziert mit bunten Blümchen, war in einer Malecke des „Museum of Childhood“ in der High Street liegengeblieben, nachdem einige Mädchen unserer Gruppe sich dort etwas ausgeruht hatten.

Da wurde meiner Frau und mir erst richtig bewusst, wie die 13 Mädchen und 3 Jungen vom Ratsgymnasium Minden ihre Studienfahrt nach Edinburgh genossen.

Dabei waren wir noch kurz zuvor von einer Dortmunder Oberstufenschülerin, die wir zufällig im Zug getroffen hatten und die sich nach unserem Ziel erkundigte, ausgelacht worden, dass wir in den Ferien freiwillig eine Klassenfahrt machten. Die Arme hatte wohl noch nie erfahren, dass Schule auch Spaß machen kann.

 

Für die Zeit vom 26. September bis zum 1.Oktober 2008 war die Studienfahrt geplant, mit einem ausgefeilten Programm, wovon die meisten Punkte fest bestellt und im Voraus bezahlt worden waren.

Was tut man aber, wenn man am Flughafen Dortmund ankommt, und dieser ist wegen einer Maschine, die alle Abflugbahnen versperrt, für 24 Stunden geschlossen?

Man telefoniert, kämpft mit Tränen der Wut und Enttäuschung und fährt wieder nach Hause. Es dabei zu belassen, wäre aber wohl die am meisten frustrierende Option gewesen.

 

Die Fahrt erneut zu organisieren kostete meine Frau und mich den gesamten Samstag von 9.00 Uhr bis 21.30 Uhr. Doch das war vergessen, als man beim Wiedersehen am Sonntagmorgen nur strahlende Gesichter sah. Die Mühen verblassten noch mehr, als alle in Amsterdam glücklich im Flugzeug saßen und als man - in Edinburgh angekommen – die ersten Begeisterungsrufe über vieles hörte, das anders war als in Deutschland, z.B. Doppeldeckerbusse, bei denen die Sitze im Schottenkaro-Muster bezogen waren und einige Tage später, kurz vor Beginn des Films „Duchess“ mit Keira Knightley, als ein Mädchen ausrief: „Ich glaub es nicht, jetzt sitzen wir tatsächlich in Schottland im Kino!“ Keira Knightley konnte man sehr gut verstehen; das sah jedoch beim Besuch des Theaterstücks „Sunset Song“ im harten schottischen Aberdeen-Dialekt ganz anders aus. Hier haben wohl auch „native speakers of English“ Mühe gehabt, den gesamten Wortlaut des Stückes zu verstehen.

 

Ebenso ungewohnt war das englische Frühstück mit „bacon, sausages, mushrooms, tomatoes, baked beans in tomato sauce etc.“ angesichts der Tatsache, dass manche Kinder zu Hause überhaupt nicht frühstücken. Auch „fish and chips“ mit frisch gefangenem schottischen „haddock“ war ein Erlebnis, wohingegen man die freundlich dazugestellte schottische Spezialität „haggis“ lieber dezent verschwinden ließ, um nicht unhöflich zu erscheinen.

Das kulturelle Programm lässt sich am besten mit folgender Aussage eines Mädchens zusammenfassen: „Poh, in meinem ganzen Leben war ich noch nicht in so vielen Museen wie in dieser Woche!“, was aber eher anerkennend gemeint war. Besonders das „National Museum of Scotland“ hat es uns angetan, wo wir eine äußerst informative und amüsante „Highlight Tour“ mitmachen konnten und sowohl Exponate aus der Römerzeit als auch zur aktuellen Gen-Forschung (Dolly the sheep) erklärt bekamen, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Eine weitere Schüleraussage war ebenfalls sehr prägnant: „Manche Stadt wäre froh, wenn sie nur ein Gebäude von der Sorte hätte wie hier die meisten Häuser aussehen.“Tatsächlich ist Edinburgh eine sehr schöne Stadt; das Adjektiv, das mir spontan in den Sinn kam, war „gediegen“. Das trifft auch auf das neue schottische Parlamentsgebäude zu, entworfen von dem mittlerweile verstorbenen katalanischen Architekten Enric Miralles und offiziell eröffnet “by Her Majesty the Queen“ am 2. Oktober 2004; unsere Führerin hatte uns nicht unbegründet vor Betreten des Plenarsaals ein „Wow“ – Erlebnis versprochen.

Bei dieser Gelegenheit lernten wir auch, was ein SMP (Scottish Member of Parliament) im Gegensatz zu einem MP (Member of Parliament ) ist. Denn Schottland ist natürlich weiterhin im Parlament des United Kingdom in London vertreten, entscheidet aber über viele wesentliche Aspekte im eigenen Parlament in Edinburgh, das es seit 1707 ja nicht mehr gegeben hatte. In diesem Gebäude wurde uns ebenfalls die Bar gezeigt, in der Abgeordnete während besonders heftiger Debatten auch schon mal „a wee drum“ zu sich nehmen sollen, um die Gemüter zu beruhigen („wee“ ist das schottische Wort für „small“, mit „drum“ ist hier ein kleines Glas in Form einer Trommel gemeint und das Getränk, das man daraus zu sich nimmt, ist natürlich Whisky). Bezeichnenderweise sah man während unseres Aufenthalt überall Plakate zur „Alcohol Awareness Week“.

Natürlich wurde nicht nur Kulturelles geboten. Beim Ten-Pin-Bowling herrschte eine genauso ausgelassene Stimmung wie in der „Amusement“-Abteilung des Fountain Bridge – Centre und bei der Geburtstagsfeier einer Schülerin in Pasquales italienischem Restaurant.

Auch Shopping-Phasen, u.a. im Ocean Centre, dem angeblich größten Shopping-Centre Europas, waren zwischen den Führungen und Besichtigungen eingeplant. Vom Ocean Centre aus betrat man direkt die königliche Yacht „Britannia“, die lange der königlichen Familie für Staatsbesuche gedient und hier ihre Ruhe gefunden hat. Man konnte sich sehr gut hineinversetzen in den Luxus, der Mitgliedern der königlichen Familie vorbehalten war, aber auch in die äußerst beengten und primitiven Lebensumstände der Mannschaft. Natürlich war ebenfalls der Rolls Royce zu sehen, den die Königin vorsichtshalber mitnahm, falls man ihr im zu besuchenden Land kein standesgemäßes Fahrzeug zur Verfügung stellen konnte.

Das Hauptverkehrsmittel innerhalb Edinburghs sind Busse. Sie verkehren in kurzen Abständen, sind aber natürlich in Stoßzeiten so langsam, dass man im Zentrum sein Ziel eher zu Fuß erreicht. Man muss sein Fahrgeld passend bereithalten, weil die Fahrer grundsätzlich kein Wechselgeld herausgeben.

 

Zu Fuß erkundet man ebenfalls die „Royal Mile“, die ihren Namen daher hat, dass Mitglieder der königlichen Familie diesen Weg vom eher zugigen Castle zum gemütlicheren „Holyroodhouse“ nahmen. Eine der vielen Sehenswürdigkeiten, die an dieser „Achse“ liegen, ist das anfangs erwähnte „Museum of Childhood“. Gegründet wurde das Museum Anfang des 20.Jahrhunderts von dem Optiker und späteren Stadtrat Patrick Murray, dessen Meinung es skurrilerweise war – man höre und staune-, man könne Kinder nur ertragen, wenn sie abends gefüttert und gebadet auf dem Weg ins Bett seien.

 

We love Edinburgh!

 

Ulrike und Johannes Kiunka